WB #19 – Restauration einer Breitling Chronomat aus den 1950er Jahren

An dieser Stelle möchte ich Ihnen gerne eine Restauration einer Breitling Chronomat aus den 1950er Jahren vorstellen.

Neben dem Breitling Navitimer war die Chronomat die Fliegeruhr schlechthin, weil sie als erste Armbanduhr eine drehbare Lünette mit Rechenschieber besaß. Mit dem Rechenschieber konnten die Piloten den Spritverbrauch und viele weitere mathematische Aufgaben ganz ohne Computer erledigen.

Einer dieser Klassiker hat, in einem doch schon etwas mitgenommen, Zustand unserer Werkstätte gefunden und folgend sehen Sie wie wir die Uhr restaurieren…

Das das Zifferblatt hat schon schwer gelitten…

Der Minutenzähler ist gebrochen und es fehlen der Sekundenzeiger, der Minutenzähler und was am schlimmsten ist – es fehlt auch die komplette Rechenschieber-Scheibe.

Das Gehäuse ist zwar verschmutzt und verkratzt aber in Ordnung.

Das Uhrwerk ist stark verschmutzt bzw verharzt. Stahlteile sind oxidiert und leider sind auch die Schrauben und Exzenter verdrückt und zerkratzt – das kommt leider daher wenn nicht ganz so ordentliche Uhrmacher mit schlechten Schraubenziehern arbeite 🙁

Jetzt geht es erst mal los mit der Arbeit und ich beginne mit der Konstruktion bzw der Anfertigung der Rechenschieberscheibe….

Sehr kompliziert ist die Rechenschieberscheibe ja nicht, aber trotzden muss sie von den Dimensionen natürlich ganz genau passen, damit dich die Lünette mit der Scheibe gut bewegen lässt.

Die Arbeiten sind gut gelungen und die Scheibe passt optimal. Die Rechenschieber und das Zifferblatt kommen jetzt mal zum Zifferblatt-Restaurateur und ich mach mit dem Uhrwerk weiter…

Das verbaute Venus Kaliber 175 hat einen 45 Minutenzähler der bei der Uhr gebrochen ist. Ich hatte in unserem Fundus zwar ein Minutenzählrad, aber leider war es ein 30 Minutenzähler (und das würde mit dem Zifferblatt natürlich nicht übereinstimmen) und außerdem war die Welle anders. Warum die Welle anders ist kann ich mir nur mit einer Adaptierung bzw Verbesserung erklären. Aber egal – am 2. Bild sehen Sie wie ich die Welle aus dem Minutenzähler ausschlage. Am 3. Bild sehen Sie wie ich die Welle nachdrehe. Am 4. Bild kontrolliere ich die Höhe und am 5. Bild sehen Sie das fertige 45 Minutenzählrad mit den verwendeten Teilen des 30 Minutenzährades bzw der kaputten Welle.

Nachdem das Minutenzährad fertig war gingen die restlichen Arbeiten recht zügig voran. Ich habe alle Lager repariert bzw ersetzt und auch alle Zapfen rolliert (poliert). Die oxidierten Hebel habe ich geschliffen und auch alle Schrauben bzw Exzenter geschliffen und poliert. Das Uhrwerk sieht jetzt wieder richtig toll aus und obendrein liefert es sehr gute Gangwerte. Weiter geht es mit dem Gehäuse der Uhr…

Weiter geht es mit dem Gehäuse…

Das Gehäuse wird poliert und geschliffen – besonderes wichtig ist, dass die Kanten erhalten bleiben. Am 1. und am 4. Bild sehen Sie das erste wirklich gröbere Problem – die Lünette ist etwas verzogen und der Falz für die Lünette ist ebenfalls verformt. Das daraus resultierende Problem – die Drehlünette dreht sich nicht geschmeidig und hackt bzw bleibt stecken. Nicht gut, da muss ich mir was einfallen lassen….

Für den Falz im Gehäuse habe ich mir einen eigenen Stichel angeschliffen und damit konnte ich in der Drehbank die Vertiefung wunderbar nachdrehen. Die Drehlünette bzw die Fixierschrauben sollten jetzt eigentlich schön vorbeigleiten – das tun sie aber nicht und die Lünette steckt nach wie vor. Grund dafür ist die verzogene Lünette selber und da musste ich mir was besonderes einfallen lassen. Mit der Hand kann ich die Lünette nicht flachschleifen, weil man der Hand die Lünette nicht so gleichmäßig auf das Schleifpapier drücken kann bzw kann man die Lünette schlecht halten. Deswegen sehen Sie auf Bild 3 wie ich aus einem Korken mit Holzgriff auf meiner Emco eine Halterung für die Lünette drehe. So konnte ich dann die Unterseite der Drehlünette ganz vorsichtig und gleichmäßig abschleifen. Nach dieser Arbeit gleitet die Drehlünette ganz leicht weiter – fast zu leicht, aber dazu etwas später mehr…

Nachdem das Gehäuse wieder schön ist und sich auch die Drehlünette wieder dreht, wird erst mal das Zifferblatt montiert…

Das Zifferblatt sieht einfach großartig aus und unser Zifferblatt-Restaurator ist ein wahrer Künstler. Das „Kunststück“ an einem wirklich gut restaurierten Zifferblatt ist es, dass es eben nicht neu aussieht. Das Zifferblatt hat eine richtig schöne Patina und sieht aus als ob es über Jahrzehnte in Würde gealtert ist.

Weiter geht es mit den Zeiger…

Da wir sehr viele alte Zeiger am Lager haben, finde ich auch gleich die richtigen Zeiger bzw muss ich die Zeiger nur leicht anpassen.

Nachdem die Zeiger montiert sind montiere ich die neu Rechenschieberscheibe..

Auch die Rechenschieber ist perfekt geworden und mit einer in den Falz eingelegten Dichtung konnte ich auch das „Problem“ der zu leicht drehenden Drehlünette lösen.

Gut sortierte haben wir natürlich auch die richtige Krone…

… aus den 1940er Jahren am Lager.

Sie erinnern sich wie die Uhr vorher ausgesehen hat?

So sieht die traumhaft schöne Uhr jetzt aus. Die Arbeiten sind hervorragend gelungen!

An dieser Stelle möchte ich mich wie immer beim Besitzer dieser traumhaft schönen Uhr bedanken, dass er mir erlaubt hat die Uhr nach allen Regeln der Uhrmacherkunst zu restaurieren.

Es würde mich sehr freuen wenn Sie einen kurzen Kommentar schreiben, damit ich sehe, dass meine Werkstattberichte auch gelesen werden.

Ihr
Uhrmachermeister
Hans Mikl & Team

…wo Sie ZEIT erleben

8 Gedanken zu „WB #19 – Restauration einer Breitling Chronomat aus den 1950er Jahren

  1. Einmal mehr, haben sie mich, einen großen Freund (alter) mechanischer Uhren schwer beeindruckt!
    Viel Erfolg und Freude an der Arbeit weiterhin und alles Gute!

  2. Hallo Herr Mikl.

    Ich bin, wie immer beeindruckt. Einfach großartig was Sie vollbringen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Markus Kaiser

  3. Meine Güte,

    was diese Uhr schon alles mitgemacht haben muss…
    Beim Ziffernblatt war ich mir lange unschlüssig. Ist das wirklich das Originale ?
    Wenn ja, ..klonk.
    Nach der Arbeitszeit für die Restaurierung frage ich lieber nicht…..sowas macht man nicht zwischen Tür und Angel.
    Auf jeden Fall ein schönes Stück Zeitgeschichte. Meine Navitimer ist zwar gut 40 Jahre jünger, aber es freut mich, dass ihre älteren Brüder nach wie vor ihren Dienst verrichten. Wenn auch erst unter fachmännischer Mithilfe. Tolle Bilder auf jeden Fall. Und der Ubuntu-Server schaufelt diese auch immer schön als Diashow weiter….

    lg Hartl G.

  4. Hallo Hans,
    Ich kann Dir nur zur gelungenen Restauration gratulieren.
    Auch die Dokumentation dazu ist Top.
    Ab und zu habe ich die Chance und kann in Glashütte unseren Restaurations Uhrmachern zusehen, wie sie so manchem historischen Totalschaden wieder Leben einhauchen, Mit Liebe zum Detail, Geduld und natürlich einem Uhrenliebhaber, der bereit ist Zeit und Geld zu investieren.

    Mit lieben Grüßen
    Andreas

  5. Absolue tolle Dokumentation dieser Herzblut-Restaurierung. Muss viel Mühe aber auch viel Freude bereitet haben und der Eigentümer weiß dies sicher zu schätzen.

    Grüße
    Patrick

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