WB #21 – Anfertigung eines Sperrrades für eine Spindeluhr aus dem späten 18. Jahrhundert

In den diesem Bericht beschreibe ich wie ich ein beschädigtes Sperrrad einer Taschenuhr mit Schlagwerk anfertige.

Vorweg eine kurze Erklärung wozu ein Sperrrad bzw. ein Gesperr notwendig ist:
Zieht man eine mechanische Uhr auf spannt sich die Zugfeder. Über das Räderwerk und die Hemmung gibt dann die Zugfeder die Energie wieder langsam ab und treibt so das Räderwerk und die Uhr an.

Hier sehen Sie wie das Gesperr im Prinzip funktioniert. Die Zugfeder wird in diesem Beispiel nach rechts aufgezogen und das Sperrrad und der Sperrkegel verhindern, dass sie die Zugfeder wieder sofort entspannt. Soweit die Theorie…

Das Sperrrad dieser Spindeluhr ist komplett verschlissen, die Zähne sind alle verrundet und zusätzlich ist das Rad auch gebrochen. Bei der Uhr wurde das Sperrrad in der Vergangenheit mit Zinn gelötet und so kann die Uhr natürlich nicht funktionieren.

Zuerst drehe ich das Sperrrad plan und entferne auch den beschädigten Sperrrkegel.

…weiter gehts:

1. Bild: hier konstruiere ich das Sperrrad – es hat einen Durchmesser von 8mm und wird mit zwei Bohrungen fixiert.
2. und 3. Bild: mit unserem neuen Schneidlaser (unsere neueste und richtig coole Maschine) schneide ich das Sperrrad aus einer 0,5 mm starken Messingplatte.
4. Bild: das Lasern hat wunderbar funktioniert und das Rad ist sehr exakt geworden
5. Bild: das fertig geschliffene Sperrrad.
6. Bild: Die Dimensionen passen…
7. Bild: hier seht ihr links das neue und rechts das beschädigte Sperrrad


Hier fertige ich den Sperrkegel und passe ihn ein. Auf diesem Bild ist der Sperrkegel und das Sperrrad noch roh und nicht geschliffen – das kommt dann später. Vorerst ist wichtig, dass die Funktion stimmt.

Jetzt muss das Sperrrad noch am Schneckenrad fixiert werden.

1. Bild: mit einem zuvor ebenfalls aus dem Material gelaserten Distanzring zentriere ich das Sperrrad am Schneckenrad.
2. Bild: Mit einem 0,35 mm Bohrer bohre ich die Löcher für das Gewinde.
3. Bild: die Löcher sind gebohrt und das Sperrrad ist zentriert
4. Bild: nachdem Gewindeschneiden habe ich noch zwei M0,4 Schrauben angefertigt und das Sperrrad sicher am Schneckenrad verschraubt.

Die Arbeiten sind abgeschlossen und das Gesperr funktioniert wieder einwandfrei. Dank unseres großen Interesse an modernen Techniken, unserer großzügig ausgestatteten Werkstätte und schlussendlich mit sehr viel Erfahrung und Geduld konnte wir auch diese 250 Jahre alte Taschenuhr retten.

Wir sind Uhrmacher aus Leidenschaft.

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